3. Preis, harris + kurrle architekten, Stuttgart

1003  /  102002         

3. Preis

harris + kurrle architekten
Volker Kurrle, Dipl. Ing. Architekt
Joel Harris, Dipl. Ing. Architekt
Schottstr. 110, 70192 Stuttgart
www.harriskurrle.de

Energiekonzept
Hr. Dr. Dippel, TEB, Vaihingen-Enz

Tragwerksplanung
Hr. Dengler, Engelsmann Peters Ingenieure, Stuttgart

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Der kompakte, quadratische Rathausbaukörper schafft mit seinen drei Geschossen eine für die Funktion angemessene Dominanz. Zunächst raumaktivierend bildet er nach Osten eine Vorplatzsituation, die zusammen mit Straßenraum und Museumsvorzone den neuen Rathausplatz darstellt. Dadurch wird ein etwas längerer Weg vom Parkplatz zum Rathaus in Kauf genommen. Die Eingänge, sowohl für das Rathaus, als auch für die Tourist-Information sind folgerichtig an der Ostseite des Gebäudes. Sie sind zusätzlich durch einen Rücksprung gekennzeichnet, der auch funktionale Vorteile (Witterungsschutz vor dem Eingang) bietet. Die östliche Giebelseite des asymmetrischen Satteldaches wirkt in ihrer Gestaltung angemessen repräsentativ und betont die Eingangssituation. Die südliche Traufseite ist von der Römerstraße leicht zurückgesetzt, was eine leichte Zonierung mit Vorgelege ermöglicht. Die weiteren Fassaden fallen in ihrer Gestaltung im Vergleich etwas ab, so wirkt beispielsweise die Südansicht etwas schematisch und stimmt nicht mit der Grundrissdarstellung überein.

Die Erschließung des Rathauses über ein zentrales Foyer an das auch die mit einem separaten Eingang versehene Tourist-Information angegliedert ist, wird positiv gesehen. Einen gewissen Nachteil in der räumlichen Qualität stellt die isolierte Treppe dar. Durch ihre gleichzeitige Funktion als notwendige Treppe wurde wohl aus Wirtschaftlichkeitsgründen der Nachteil einer räumlichen und optischen Trennung der Geschossebenen in Kauf genommen. Der Versuch diesen Nachteil mit offenen Flurbereichen mit Ausblick am Ausgang des Treppenraumes zu kompensieren wird anerkannt. Trotz knapp gehaltener Flure ist die Orientierbarkeit gut, allerdings ist die Nutzbarkeit durch teilweise unzureichende natürliche Belichtung nicht mehr überall gewährleistet; auch sind die Bewegungsräume vor dem Aufzug für Rollstuhlfahrer nicht ausreichend.

Die Funktionen sind als Bereiche und innerhalb der Bereiche schlüssig angeordnet: So liegen die publikumsintensiven Räume im Erdgeschoss, der Sitzungssaal im zweiten Obergeschoss an der prominenten Südostecke. Auch die Anordnung und die Flexibilität bei Besprechungs- und Trauungszimmer wird positiv gewertet.

Mit den vorgeschlagenen Materialien und Konstruktionen ist in Bau und Betrieb ausreichende Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu erwarten. Das postulierte Ziel, den Passivhausstandard zu erreichen wird in Frage gestellt, da die dargestellte Konstruktion nicht wärmebrückenfrei ist. Ebenso wäre eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung notwendig.

Der Vorplatz wird als durchgängige Platzfläche dargestellt, die bei der vorhandenen Höhensituation so nicht funktionieren kann. Ob die beiden als solche bezeichneten Bestandsbäume erhalten werden können ist fraglich. Zur Materialität der Freianlagen werden keine Aussagen gemacht. Die geforderte fußläufige und barrierefreie Anbindung an die Aussegnungshalle ist nicht gelöst. Die neue Stellplatzanlage wird über drei Zufahrten von der Römerstraße aus erschlossen, was in dieser Situation möglich ist.

Die Arbeit stellt einen wirtschaftlichen Beitrag dar, der der Aufgabenstellung gerecht wird.